Nackenstützkissen Hygiene: Richtig waschen und pflegen

Die meisten Menschen waschen ihren Kissenbezug regelmäßig und denken dabei: erledigt. Das Problem ist, dass der Bezug nur die erste Barriere ist. Was darunter liegt, was sich im Laufe der Monate im Kern und in den inneren Schichten ansammelt, sieht man nicht, riecht man anfangs nicht, und entfernt man nicht, wenn man nur den Außenbezug reinigt.

Dieser Leitfaden erklärt, was wirklich in einem gepflegten oder ungepflegten Nackenkissen passiert, welche Pflegemaßnahmen für welches Material erlaubt sind, und was dauerhaft schadet. Mit konkreten Schritt-für-Schritt-Anleitungen und einem Pflegekalender, der zeigt, wann man was tun sollte.

Warum Pflege so wichtig ist – und was dein Kissen wirklich enthält

Was sich in einem ungepflegten Kissen sammelt

Pro Nacht verlierst du etwa 200 bis 500 Milliliter Feuchtigkeit über die Haut. Ein erheblicher Teil davon landet auf dem Kissen. Dazu kommen Hautschuppen, Talg, Speichel und bei manchen Menschen auch Medikamentenwirkstoffe, die über den Schweiß ausgeschieden werden. Hausstaubmilben ernähren sich von abgestorbenen Hautschuppen und finden in einem feuchten, warmen Kissen ideale Lebensbedingungen.

Ein gepflegtes Kissen mit regelmäßig gewaschenem Bezug und gelegentlichem Lüften des Kerns hält diese Belastung in vertretbaren Grenzen. Ein Kissen, das jahrelang ohne Bezugswechsel und ohne Lüften benutzt wird, kann laut Untersuchungen mehrere Schimmelsorten enthalten und zu einem deutlichen Anstieg der Milbenbelastung im Schlafzimmer beitragen.

Das ist keine Übertreibung, sondern der physikalische Grund dafür, warum Kissenpflege Gesundheitsvorsorge ist und keine Kleinigkeit.

Gelbe Flecken: was sie bedeuten und wann sie gefährlich werden

Die gelblich-bräunlichen Flecken, die mit der Zeit auf Kissenbezügen und auf dem Kern entstehen, sind fast immer Schweiß und Talg, die in das Material eingedrungen sind und oxidiert haben. Das ist normal und unvermeidlich.

Was es nicht normal macht: Wenn diese Flecken mit Feuchtigkeit in Kontakt bleiben, bilden sie ein Milieu, in dem Bakterien, Pilze und Schimmelerreger gut gedeihen. Bei hellen Bezügen erkennst du die Flecken früh. Bei dunklen Bezügen oder bei Schaumkernen ohne häufig gewechselten Bezug entstehen dieselben Probleme, nur unsichtbar.

Das erkennbarste Warnsignal ist Geruch. Wenn ein Kissen trotz frischem Bezug einen muffigen oder säuerlichen Eigengeruch hat, haben sich bereits Mikroorganismen im Kern angesiedelt. Dann hilft kein frischer Bezug mehr. Dann muss der Kern entweder tiefgereinigt oder ausgetauscht werden.

Die Grundregel: Bezug und Kern sind zwei verschiedene Dinge

Der Bezug: was gewaschen wird und wie

Der Kissenbezug ist der einzige Teil des Kissens, der regelmäßig in die Waschmaschine kommt. Die Waschtemperatur ist nicht egal. Bei 40°C stirbt der Großteil der Bakterien ab. Hausstaubmilben und ihre Eier überleben 40°C aber problemlos. Erst bei 60°C werden sie zuverlässig abgetötet. Das ist der Grund, warum 60°C die empfohlene Mindesttemperatur für Kissenbezüge ist, nicht 40°C.

Wenn dein Bezug laut Pflegeetikett nur bei 40°C waschbar ist, gibt es zwei Alternativen: Den Bezug nach dem Waschen für mehrere Stunden in den Gefrierschrank legen (Milben sterben auch bei Minustemperaturen ab). Oder einen zusätzlichen Schutzbezug verwenden, der bei 60°C waschbar ist und dazwischengeschaltet wird.

Der Kern: was erlaubt ist und was zerstört

Für Schaumstoffkerne (Memory Foam, Latex, Gelschaum, Kaltschaum) gilt eine einfache Grundregel: kein vollständiges Eintauchen in Wasser, keine Waschmaschine. Der Grund ist nicht nur mechanisch (die Schleuder würde den Kern verformen), sondern auch physikalisch: Schaumstoffkerne sind porös und nehmen Wasser in ihrer gesamten Tiefe auf. Sie trocknen extrem langsam. Wenn ein Schaumkern nicht vollständig durchtrocknet, bildet sich Schimmel im Inneren, unsichtbar, aber gesundheitsschädlich.

Was erlaubt ist: Feucht abwischen (nicht nass), mit speziellen Sprühmethoden punktuell reinigen, absaugen und lüften.

Der Schutzbezug: warum er der wichtigste Schutz ist

Ein Schutzbezug ist ein enger, oft wasserresistenter Innenüberzug, der direkt über dem Kern sitzt und unter dem eigentlichen Kissenbezug liegt. Er ist die effektivste Einzelmaßnahme für die Lebensdauer deines Kissens.

Er hält Schweiß, Körperöle und Feuchtigkeit vom Schaumkern fern, was bedeutet: weniger Geruchsbildung, weniger Verfärbung, keine direkte Milbenbelastung am Kern. Wer einen Schutzbezug verwendet, kann den Hauptbezug seltener waschen und verlängert die Lebensdauer des Kerns erheblich.

Schutzbezüge für Allergiker (sogenannte Encasings) sind aus besonders engmaschigem Material und verhindern, dass Milbenausscheidungen durch den Bezug dringen. Für Menschen mit Hausstaubmilbenallergie sind sie keine Option, sondern eine Notwendigkeit.

Materialspezifische Pflegeanleitung

Memory Foam und Visco-Schaum: reinigen ohne zu nässen

Der Kern darf nicht gewaschen werden. Was stattdessen funktioniert:

Regelmäßiges Lüften: Den Kern aus dem Bezug nehmen und einige Stunden an einem luftigen, schattigen Platz legen. Nicht in direktem Sonnenlicht, weil Hitze und UV-Strahlung den Schaum langfristig degradieren können.

Absaugen: Mit dem Polsteraufsatz des Staubsaugers regelmäßig Staub und Hausstaubpartikel absaugen. Das ist einfach, dauert zwei Minuten und entfernt einen Teil der Milbenbelastung ohne jede Feuchtigkeit.

Punktuelle Reinigung mit feuchtem Tuch: Bei Flecken ein leicht feuchtes (nicht nasses) Tuch mit einem Tropfen milder Seife verwenden. Tupfen, nicht reiben. Danach mit einem zweiten feuchten Tuch ohne Seife nachwischen und vollständig trocknen lassen, bevor der Bezug wieder drauf kommt.

Backpulver gegen Gerüche: Den Kern aus dem Bezug nehmen, eine dünne Schicht Backpulver aufstreuen, zwei bis vier Stunden einwirken lassen, dann komplett absaugen. Backpulver bindet Gerüche, nimmt aber keine Milben ab. Es ist eine Ergänzung, kein Ersatz für regelmäßiges Waschen des Bezugs.

Latex: UV-Warnung und warum Parfüm schadet

Latex ist das materialisch anspruchsvollste Kissen in der Pflege, weil es trotz seiner Widerstandsfähigkeit gegenüber Milben und Bakterien auf mehrere äußere Einflüsse sehr empfindlich reagiert.

Waschen: Kein Waschen, weder Maschine noch vollständiges Handwaschen. Feuchtigkeit macht Latex brüchig und lässt es Stützkraft verlieren. Einen Fleck nur punktuell mit einem leicht angefeuchteten Tuch abtupfen, sofort trocknen lassen.

Lüften: Latex-Kissen lüften im Schatten, nicht in der Sonne. Das ist keine Vorsichtsmaßnahme, sondern eine Regel. UV-Strahlung bricht Eiweißmoleküle im Latex auf, die Kissen riechen dann dauerhaft unangenehm und das lässt sich nicht rückgängig machen. Auch an bewölkten Tagen gibt es genügend UV-Strahlung, um Schaden anzurichten. 30 bis 45 Minuten im Schatten reichen vollständig aus. Wer sein Latex-Kissen regelmäßig lüftet, muss es selten reinigen, weil das Material von Natur aus antibakteriell ist und Milben nicht anzieht.

Parfüm und Körperpflegeprodukte: Das wissen die wenigsten. Parfüm, Haarspray und Körperpflegeprodukte mit Fettanteilen können durch den Kissenbezug in den Latexkern dringen. Fette greifen das Material an und können es verfärben oder langfristig zerstören. Körperpflegeprodukte sparsam vor dem Schlafen verwenden, und einen gut sitzenden Schutzbezug als zusätzliche Barriere einsetzen.

Aggressiver Schweiß: Bei manchen Medikamenten verändert sich die Schweißzusammensetzung. Dieser aggressive Schweiß kann Latex über längere Zeit angreifen. Ein Schutzbezug ist hier besonders wichtig.

Gelschaum: ähnlich wie Memory Foam, etwas robuster

Für Gelschaum gelten dieselben Grundregeln wie für Memory Foam: kein Waschen, kein Eintauchen in Wasser, kein direktes Sonnenlicht. Gelschaum ist durch seine Gelkomponente etwas unempfindlicher gegenüber Feuchtigkeit als reiner Memory Foam, aber nicht wasserresistent. Backpulver, Absaugen und Lüften im Schatten sind die richtigen Pflegemaßnahmen. Den Bezug regelmäßig bei 60°C waschen.

Kaltschaum: formstabil, aber feuchtigkeitsempfindlich

Kaltschaum-Kerne dürfen nicht gewaschen werden. Die Pflege ist dieselbe wie bei Memory Foam. Kaltschaum ist etwas weniger wärmeempfindlich als Memory Foam, nimmt aber Feuchtigkeit ähnlich auf und trocknet genauso langsam. Nicht einweichen, nicht nass wischen, regelmäßig lüften und absaugen.

Naturfasern: Daunen, Dinkel, Wolle

Diese Materialien haben die entspannteste Pflegesituation, weil sie in der Regel waschbar sind.

Daunen und Federn: Maschinenwaschbar bei 40–60°C, Schonwaschgang. Wichtig: Daunen klumpen beim Waschen. Tennisbälle oder Trocknerbälle im Trockner helfen, die Füllung wieder aufzulockern. Niemals lufttrocknen lassen, weil das Risiko der Schimmelbildung bei der langen Trocknungszeit zu groß ist. Trockner bei niedriger Temperatur ist Pflicht.

Dinkel und Hirse: Den Außenbezug bei 60°C waschen (vorher Füllung herausnehmen), die Körner selbst nicht waschen. Körnerkissen können in der Sonne getrocknet werden, was bei anderen Materialien ausdrücklich nicht gilt.

Wolle: Im Schatten lüften, spezielles Wollwaschmittel bei maximal 30°C mit sehr niedrigem Schleudergang (max. 400 Umdrehungen). Nicht in den Trockner.

Die Pflegetabelle: alle Materialien auf einen Blick

Material Kern waschbar? Bezug Waschtemperatur Trockner erlaubt? Lüften Besondere Warnung
Memory Foam Nein 60°C (Bezug) Nein (Kern), Ja (Bezug) Schatten, kein UV Schimmelgefahr bei Restfeuchte
Latex Nein 60°C (Bezug) Nein (Kern), Ja (Bezug) Schatten, nie Sonne! UV zerstört Eiweißmoleküle, Parfüm schadet
Gelschaum Nein 60°C (Bezug) Nein (Kern), Ja (Bezug) Schatten, kein UV Wie Memory Foam, etwas robuster
Kaltschaum Nein 60°C (Bezug) Nein (Kern), Ja (Bezug) Schatten, kein UV Schimmelgefahr bei Restfeuchte
Daunen/Federn Ja, 40–60°C 40–60°C Ja (niedrig), Tennisbälle Ja, auch Sonne Niemals lufttrocknen (Schimmel)
Dinkel/Hirse Nein (Körner) 60°C (Bezug) Nein Sonne möglich Füllung immer rausnehmen vor Wäsche
Wolle Je nach Typ 30°C, Wollmittel Nein Schatten Trockner zerstört Wolle

Schritt-für-Schritt-Anleitungen

Memory-Foam-Kern punktuell reinigen

  1. Kern aus allen Bezügen nehmen.
  2. Fleck oder verschmutzte Stelle identifizieren.
  3. Sprühflasche mit lauwarmem Wasser und einem halben Teelöffel mildem Waschmittel füllen.
  4. Von etwa 20 cm Abstand auf den Fleck sprühen, nicht direkt aufgießen.
  5. Mit einem sauberen Tuch in kreisenden Bewegungen einmassieren, nicht reiben.
  6. Mit einem zweiten feuchten Tuch ohne Waschmittel abtupfen, um Waschmittelreste zu entfernen.
  7. Kern an einem luftigen Ort im Schatten vollständig trocknen lassen. Das dauert je nach Feuchtigkeit und Schaumdicke mehrere Stunden, bei tieferen Feuchtigkeitseinträgen auch bis zu einem Tag.
  8. Kontrollieren ob der Kern wirklich trocken ist: Handflächentest (kein kühl-feuchtes Gefühl), Geruchstest (kein feuchter Geruch), Drucktest (kein Feuchtigkeit austritt).
  9. Erst dann den Bezug wieder aufziehen.

Bezug in der Waschmaschine waschen

  1. Bezug vom Kern trennen.
  2. Pflegeetikett prüfen: Temperatur, Schleudergang, Trockner erlaubt?
  3. Bezug einzeln oder mit ähnlichen Textilien waschen.
  4. Temperatur: mindestens 60°C für Milbenabtötung. Falls Bezug nur 40°C verträgt: Tiefkühlen nach dem Waschen (mindestens 6 Stunden bei Minustemperaturen).
  5. Schonwaschgang oder Feinwäsche, kein Kochwäscheprogramm außer bei expliziter Freigabe.
  6. Kein Weichspüler: Er hinterlässt Rückstände im Material, die die Atmungsaktivität des Bezugs verringern und bei manchen Materialien die Oberfläche angreifen.
  7. Schleudergang: Nicht über 800 Umdrehungen pro Minute, damit der Bezug seine Form behält.
  8. Trocknen: Im Trockner bei niedriger Temperatur oder hängend an der Luft. Nicht auf die Heizung legen.

Backpulver gegen Gerüche: Schritt für Schritt

  1. Kern aus dem Bezug nehmen.
  2. Kern waagerecht auf eine saubere Fläche legen.
  3. Eine dünne gleichmäßige Schicht Backpulver auf die Oberfläche streuen. Kein Einreiben nötig.
  4. Zwei bis vier Stunden einwirken lassen. Nicht kürzer: Backpulver braucht Zeit, um Geruchsmoleküle zu binden.
  5. Kern wenden und auf der anderen Seite wiederholen.
  6. Backpulver vollständig absaugen mit dem Polsteraufsatz des Staubsaugers. Keine Rückstände lassen.
  7. Kern noch einige Stunden im Schatten lüften, dann den Bezug aufziehen.

Backpulver entfernt Gerüche, aber keine Milben und keine Flecken. Es ist eine Ergänzungspflege, kein Ersatz für das Waschen des Bezugs.

Staubsauger als regelmäßige Pflegemaßnahme

Das ist die einfachste und am meisten unterschätzte Pflegemaßnahme für Schaumkissen. Einmal monatlich den Kern aus dem Bezug nehmen, mit dem Polsteraufsatz des Staubsaugers beide Seiten gründlich absaugen. Das entfernt Staub, Hautschuppen und einen Teil der Milbenbelastung, ohne jede Feuchtigkeit einzubringen. Danach kurz lüften (im Schatten), dann den Bezug wieder aufziehen. Fünf Minuten, einmal im Monat.

Hausstaubmilben abtöten: alle Methoden im Vergleich

Waschen bei 60°C

Die zuverlässigste Methode. Bei 60°C sterben Hausstaubmilben, ihre Eier und die meisten Bakterien sicher ab. Gilt aber nur für den Bezug, nicht für den Schaumkern. Deshalb ist regelmäßiges Bezugswaschen bei 60°C die wichtigste Hygienemaßnahme.

Tiefkühlen

Hausstaubmilben überleben keine Minustemperaturen. Den gesamten Kern (in einem sauberen Plastikbeutel) für sechs bis acht Stunden in den Gefrierschrank oder die Tiefkühltruhe legen. Das tötet die Milben ab. Wichtig: Der Kern muss danach Raumtemperatur annehmen, bevor der Bezug aufgezogen wird, damit keine Kondensation entsteht. Diese Methode funktioniert für alle Materialien, auch für Latex.

UV-Licht (mit wichtiger Einschränkung)

UV-Strahlung tötet Milben und Bakterien ab. Deshalb ist das Legen von Kissen in die Sonne verbreitet. Das gilt aber nicht für alle Materialien. Latex darf unter keinen Umständen in die Sonne. Memory Foam und Gelschaum sollten ebenfalls nicht in direktes Sonnenlicht, weil Hitze und UV die Schaumstruktur langfristig schädigen. Daunen, Dinkel, Hirse und Wolle (mit Ausnahme) können in die Sonne. Für Schaumkissen ist Tiefkühlen die bessere Alternative zu Sonnenlüften.

Dampfreiniger

Ein Dampfreiniger kann für Schaumkissen-Oberflächen verwendet werden, um Milben und Bakterien durch Hitze abzutöten, ohne den Kern zu durchnässen. Der Dampf darf nicht so lange auf einer Stelle verweilen, dass die Oberfläche nass wird. Nach dem Dampfreinigen muss der Kern vollständig abtrocknen. Diese Methode ist aufwändiger als Tiefkühlen, aber wirksam für punktuelle Desinfektionen.

Off-Gassing: der Geruch bei neuen Kissen

Neue Memory-Foam- und Schaumstoffkissen haben oft einen charakteristischen chemischen Geruch direkt nach dem Auspacken. Das ist off-gassing: die Freisetzung flüchtiger organischer Verbindungen, die sich beim Herstellungsprozess im Material ansammeln.

Dieser Geruch ist bei zertifizierten Produkten (OEKO-TEX Standard 100, eco-Institut) unbedenklich. Er verschwindet in der Regel innerhalb von zwei bis sieben Tagen beim Lüften an der frischen Luft. Was hilft: Das neue Kissen vor der ersten Benutzung 24 bis 48 Stunden (besser 72 Stunden) in einem gut belüfteten Raum oder draußen im Schatten auslüften lassen.

Wenn der Geruch nach zwei Wochen Lüften noch deutlich wahrnehmbar ist, liegt möglicherweise ein Qualitätsproblem vor. In dem Fall lohnt es sich, beim Hersteller nachzufragen oder die Rückgabeoption zu prüfen.

Natürlicher Latexgeruch ist kein Off-Gassing. Er hat eine organische Gumminote und ist ebenfalls unbedenklich. Er legt sich innerhalb einiger Tage bis Wochen. Wer sehr geruchsempfindlich ist, sollte beim Kauf auf offenporige Talalay-Latex-Varianten achten, die weniger Eigengeruch haben.

Der Pflegekalender: wann du was tust

Häufigkeit Maßnahme Gilt für
Täglich Kissen nach dem Aufstehen offen lassen, nicht sofort unter die Decke Alle Materialien
Wöchentlich Bezug kurz auslüften beim Bettwäschewechsel Alle Materialien
Alle 2–4 Wochen Hauptbezug bei 60°C waschen Alle Materialien
Monatlich Kern absaugen (Polsteraufsatz), 30 Min. im Schatten lüften Schaumkissen
Alle 2–3 Monate Schutzbezug waschen Alle Materialien
Alle 3–6 Monate Kern tiefkühlen (Milbenabtötung), Backpulver-Behandlung Schaumkissen
Alle 6 Monate Kern auf Formstabilität und Geruch prüfen, Seitenwechsel Alle Materialien
Jährlich Kompletter Zustandscheck: Einsinken, Geruch, Flecken, Rückfederung Alle Materialien

Allergiker sollten den Bezug häufiger waschen (alle zwei Wochen) und den Schutzbezug früher wechseln.

Wann es Zeit für ein neues Kissen ist

Auch das beste gepflegte Kissen hat eine Lebensdauer. Die folgenden Zeichen zeigen, wann Pflege nicht mehr hilft und ein Austausch nötig ist.

Formverlust: Wenn du mit der Faust in den Kern drückst und er nicht innerhalb von drei Sekunden zurückfedert, ist das Material ermüdet. Das bedeutet, dass das Kissen in der Nacht nicht mehr die richtige Höhe hält. Die Stützkraft ist dauerhaft verringert.

Geruch trotz Pflege: Wenn nach Bezugwaschen, Lüften und Backpulver ein dauerhafter muffiger Geruch bleibt, haben sich Mikroorganismen tief im Kern angesiedelt. Das lässt sich nicht vollständig entfernen.

Sichtbare Verformung: Dellen, Risse oder dauerhafte Eindrücke im Schaumkern, die sich nicht zurückbilden.

Wiederkehrende Beschwerden ohne andere Ursache: Wenn Nackenschmerzen zurückkehren, obwohl du die richtige Kissenhöhe kennst und dich nichts verändert hat, hat das Kissen seine Stützeigenschaft verloren.

Als Richtlinie für Austauschintervalle: Memory Foam 3–5 Jahre, Talalay-Latex 5–8 Jahre, Gelschaum 4–6 Jahre, Kaltschaum 5–7 Jahre, Naturfasern 1–3 Jahre.

Häufige Fragen

Kann ich meinen Memory-Foam-Kern in der Waschmaschine waschen?

Nein. Die Waschmaschine beschädigt den Schaumstoff mechanisch durch Schleudern und thermisch durch die Wassertemperatur. Der Kern nimmt Wasser tief auf und trocknet extrem langsam, was zu Schimmelbildung im Inneren führt. Den Kern nur punktuell mit einem feuchten Tuch reinigen und vollständig trocknen lassen.

Warum darf ich mein Latex-Kissen nicht in die Sonne legen?

UV-Strahlung zerstört die Eiweißmoleküle im Latex, der Kern riecht danach dauerhaft unangenehm und das lässt sich nicht rückgängig machen. Latex im Schatten lüften, auch an bewölkten Tagen gibt es genügend UV für Schäden bei langer Exposition.

Wie oft sollte ich den Kissenbezug waschen?

Mindestens alle vier Wochen bei 60°C. Für Allergiker alle zwei Wochen. Wenn du viel schwitzt oder in heißen Nächten schläfst, ebenfalls häufiger.

Was mache ich mit gelben Flecken auf dem Kissenkern?

Für Schaumkerne: Sprühflasche-Methode mit mildem Waschmittel und lauwarmem Wasser, tupfen statt reiben, vollständig trocknen lassen. Wenn die Flecken sehr alt und tief sind, lassen sie sich optisch nicht vollständig entfernen, aber geruchlich und hygienisch neutralisieren. Ein dauerhafter muffiger Geruch trotz Reinigung ist ein Zeichen für Schimmelbeginn, dann ist ein Austausch sinnvoll.

Was ist der Gefrierschrank-Trick?

Den Kissenkern in einen sauberen Plastikbeutel stecken und für sechs bis acht Stunden in den Gefrierschrank oder die Tiefkühltruhe legen. Hausstaubmilben und viele Bakterien sterben bei Minustemperaturen ab. Danach den Kern auf Raumtemperatur kommen lassen, bevor der Bezug aufgezogen wird (Kondensationsgefahr). Die Methode funktioniert für alle Materialien, auch für Latex, und ist eine gute Alternative zu Sonnenlüften, das für Schaumkissen verboten ist.

Mein neues Kissen riecht chemisch. Ist das gefährlich?

Das ist Off-Gassing und bei zertifizierten Produkten unbedenklich. Das Kissen 24–72 Stunden an der frischen Luft im Schatten auslüften, bevor du es benutzt. Wenn der Geruch nach zwei Wochen noch deutlich wahrnehmbar ist, beim Hersteller nachfragen.

Darf ich Weichspüler beim Waschen des Kissenbezugs verwenden?

Nein. Weichspüler hinterlässt einen Film auf dem Gewebe, der die Atmungsaktivität des Bezugs verringert und bei manchen Materialien die Oberfläche angreift. Ein normales mildes Waschmittel reicht vollständig aus.

Fazit

Nackenkissen pflegen ist kein Aufwand, wenn man weiß, was wann zu tun ist. Die drei wichtigsten Maßnahmen sind erstens ein Schutzbezug als permanente Barriere zwischen Kern und Außenwelt, zweitens der Hauptbezug alle vier Wochen bei 60°C, und drittens monatliches Absaugen und gelegentliches Lüften des Kerns.

Was auf keinen Fall passieren darf: Latex in die Sonne legen. Schaumkerne in die Waschmaschine. Einen feucht gereinigten Kern zu früh mit dem Bezug versehen.

Wer diesen Pflegekalender einhält, verlängert die Lebensdauer seines Kissens erheblich und schläft in einer hygienischen Umgebung, die er tatsächlich selbst einschätzen kann – und nicht nur hofft.

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