Du wachst morgens auf, drehst den Kopf zur Seite und spürst sofort: Da ist wieder was. Ein ziehender Schmerz, der sich vom Hinterkopf in die Schulter zieht.
Dein erster Gedanke ist wahrscheinlich das Kissen. Und vielleicht liegst du damit sogar richtig. Vielleicht aber auch nicht.
Das Kissen wird fast reflexartig als Schuldiger benannt. Dabei ist es oft nur einer von mehreren Faktoren. Manchmal der entscheidende. Manchmal ein Nebendarsteller.
Und manchmal hilft auch das teuerste Nackenstützkissen der Welt einfach nicht, weil das eigentliche Problem woanders sitzt.
Dieser Ratgeber erklärt dir, wann das Kissen wirklich schuld ist, was du konkret dagegen tun kannst und wann du aufhören solltest, an deiner Schlafausstattung herumzuoptimieren.
Inhaltsverzeichnis:
- 1 Warum der Nacken beim Schlafen unter Druck gerät
- 2 Wie viel Einfluss hat das Kissen wirklich?
- 3 Das Zusammenspiel von Kissen, Matratze und Lattenrost
- 4 Die wichtigsten Kissentypen und für wen sie taugen
- 5 Materialien und was sie wirklich unterscheidet
- 6 Die richtige Kissenhöhe für deine Schlafposition
- 7 Wann solltest du dein Kissen wechseln?
- 8 Eingewöhnung nach dem Kisselwechsel
- 9 Wann reicht ein neues Kissen nicht aus?
- 10 Was du tagsüber für deinen Nacken tun kannst
- 11 Häufige Fragen
- 12 Fazit
Warum der Nacken beim Schlafen unter Druck gerät
Dein Kopf wiegt zwischen 4,5 und 6 Kilogramm. Das klingt nicht nach viel. Für deine Halswirbelsäule ist es aber ein Gewicht, das sie jeden Tag trägt, und zwar ohne Pause.
Tagsüber übernimmt aktive Muskulatur diese Arbeit. Nachts fällt sie weg. Der Job geht dann ans Kissen über.
Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbeln mit Bandscheiben dazwischen. Seitlich sitzen sogenannte Facettengelenke, die Bewegung ermöglichen und gleichzeitig Stabilität geben.
Die tiefen Nackenmuskeln, darunter der Musculus semispinalis capitis und die kleinen Subokzipitalmuskeln direkt am Schädelansatz, halten den Kopf in Position.
Klingt komplex. Ist aber wichtig zu verstehen: Wenn das Kissen den Kopf falsch lagert, müssen genau diese Muskeln die ganze Nacht gegenhalten. Obwohl sie eigentlich Pause haben sollten.
Was „falsche Lagerung“ konkret bedeutet
Es gibt zwei klassische Fehlstellungen. Beide erzeugen unterschiedliche Beschwerden.
Ist das Kissen zu niedrig, fällt der Kopf in Rückenlage leicht nach hinten. Der Nacken wird überstreckt. Das belastet die Facettengelenke und die kleinen Muskeln am Schädelansatz.
Typisches Ergebnis: Kopfschmerzen im Hinterkopfbereich, ein steifes Gefühl, das sich erst nach dem Aufstehen langsam löst.
Ist das Kissen zu hoch, wird der Kopf nach vorne gedrückt. Das Kinn nähert sich der Brust. Die Bandscheiben werden auf der Vorderseite komprimiert.
In Seitenlage knickt die Halswirbelsäule zusätzlich seitlich ab. Das Ergebnis sind Verspannungen in der seitlichen Nackenmuskulatur, manchmal auch Kribbeln oder Taubheitsgefühle bis in den Arm.
Beide Probleme lassen sich mit dem richtigen Kissen beheben. Aber eben nur, wenn das Kissen tatsächlich die Ursache ist.
Wie viel Einfluss hat das Kissen wirklich?
Hier kommt die unbequeme Wahrheit, die du auf den Seiten der meisten Kissenhersteller nicht lesen wirst.
Ein Kissen kann Symptome lindern oder verschlimmern. Strukturelle Probleme beseitigen kann es nicht.
Wenn du acht Stunden täglich mit vorgeschobenem Kopf vor dem Bildschirm sitzt und chronisch gestresst bist, wird dein Nacken morgens verspannt aufwachen. Egal wie gut das Kissen ist.
Das Kissen ist das letzte Glied in einer Kette von Belastungen, die sich über den Tag aufgebaut haben. Diese Kette kann es nicht einfach unterbrechen.
Das bedeutet nicht, dass das Kissen egal ist. Im Gegenteil.
Es ist der einzige schlafbezogene Faktor, den du selbst schnell und ohne großen Aufwand verändern kannst. Und wenn es tatsächlich eine Fehlstellung erzeugt, sammelt sich diese Belastung Nacht für Nacht an.
Sieben Stunden leichte Überdehnung der Halswirbelsäule, multipliziert mit 365 Nächten. Das hinterlässt Spuren.
Was das Kissen nicht kompensieren kann: Muskelverkürzungen durch einseitiges Sitzen, dauerhaften Stress, Fehlstellungen der Brustwirbelsäule, strukturelle Veränderungen wie Arthrose oder Bandscheibenvorfälle.
Was das Kissen hingegen wirklich beeinflusst: den Neigungswinkel deiner Halswirbelsäule in der Nacht und die Druckverteilung auf Schulter und Kopf. Damit entscheidet es, ob sich deine Nackenmuskulatur nachts tatsächlich erholen kann.
Das Zusammenspiel von Kissen, Matratze und Lattenrost
Das Kissen funktioniert nie isoliert. Es ist Teil eines Systems.
Wenn andere Teile dieses Systems nicht stimmen, hilft auch das beste Kissen wenig.
Nehmen wir das klassische Beispiel: Du schläfst auf der Seite, die Matratze ist zu weich. Deine Schulter sinkt zu tief ein. Der Abstand zwischen Schulter und Kopf wird kleiner.
Selbst wenn dein Kissen für deine Schulterbreite eigentlich perfekt wäre, liegt dein Kopf jetzt zu hoch. Die Halswirbelsäule knickt ab.
Das Gegenteil funktioniert genauso. Eine zu harte Matratze lässt die Schulter kaum einsinken. Der Abstand zwischen Schulter und Kopf ist dann größer als normal.
Das Kissen müsste eigentlich höher sein. Wenn es das nicht ist, hängt der Kopf zur Seite.
Auch der Lattenrost spielt eine Rolle. Ein zu starrer Lattenrost macht selbst eine mittelharte Matratze faktisch hart. Ein zu weicher lässt alles durchsacken.
Für Seitenschläfer gilt diese Formel: Die Schulter sinkt in die Matratze ein, das Kissen füllt präzise den entstehenden Abstand zwischen Schulteroberseite und Kopf aus. Wenn beides passt, bilden Kopf, Hals und Brustwirbelsäule von hinten betrachtet eine gerade Linie.
Den einfachsten Selbsttest kannst du sofort machen. Leg dich in deine gewohnte Schlafposition und bitte jemanden, von hinten auf deine Wirbelsäule zu schauen. Oder mach ein Foto.
Wenn dein Kopf zur Seite knickt oder nach vorne zeigt, liegt entweder das Kissen, die Matratze oder beides falsch.
Die wichtigsten Kissentypen und für wen sie taugen
Auf dem Markt gibt es eine verwirrende Zahl an Kissentypen. Jeder Hersteller behauptet natürlich, das beste Modell zu haben. Hier eine neutrale Übersicht, ohne Produktempfehlung.
Das klassische 80×80-Kissen
Liegt noch in über 60 Prozent der deutschen Haushalte. Ein Relikt aus einer Zeit, in der Ergonomie beim Schlafen keine Rolle spielte.
Das Problem ist strukturell: Das Kissen überdeckt die Schulterzone. Wenn die Schulter auf dem Kissen liegt, verhindert das den natürlichen Einsinkmechanismus der Matratze.
Der Schultergürtel bekommt zu viel Gegendruck. Er verspannt. Der Nacken zieht mit.
Für Menschen mit Nackenproblemen ist dieses Format in der Regel keine gute Wahl. Das 80×80 macht es schlicht schwierig, die Schulter frei zu halten.
Das 40×80-Kissen
Besser als das Quadratkissen, weil es die Schulterzone weniger blockiert.
Aber weiche Füllvarianten aus Federn oder Fasern haben ein eigenes Problem: Sie geben nach. Du drückst sie im Schlaf ständig zurecht. Das kostet Schlafqualität und erzeugt keine zuverlässige Stützung.
Das Nackenstützkissen mit eingebauter Rolle
Diese Kissen haben auf der Schulterseite eine erhöhte Nackenrolle und eine flachere Mulde für den Hinterkopf.
In Rückenlage kann das gut funktionieren. Der Kopf liegt in der Mulde, der Nacken wird gestützt, das Kinn drückt nicht auf die Brust. Wer schnarcht, profitiert oft, weil der Atemweg offener bleibt.
Das Problem liegt in der Starrheit. Die Wölbungen passen nicht zu jeder Kopfform.
Wer das Kissen im Schlaf dreht oder auf der falschen Seite liegt, bringt die Halswirbelsäule in eine schlechtere Position als ganz ohne Kissen.
Für Seitenschläfer ist dieses Format häufig ungeeignet.
Das einheitlich hohe Stützkissen aus Schaum oder Latex
Schlafberater empfehlen diesen Typ derzeit am häufigsten. Und das aus gutem Grund.
Das Kissen hat auf der gesamten Fläche die gleiche Höhe. Keine Konturen, keine Mulden, die du treffen musst.
Du kannst es drehen, wenden und in jede Schlafposition mitnehmen. Das macht es besonders für Wechselschläfer interessant.
Die Qualität hängt stark vom Material ab. Billiger Kaltschaum verliert schnell seine Form. Naturlatex federt sofort zurück und hält deutlich länger.
Das höhenverstellbare Kissen
Eine sinnvolle Option, besonders wenn du nicht weißt, welche Höhe für dich passt.
Herausnehmbare Einlagen erlauben es, die Kissenhöhe in Zentimeterschritten anzupassen. Das kostet etwas mehr.
Spart aber das Ausprobieren mehrerer Kissen und vor allem die Frustration, wenn ein neues Modell nach einer Woche zurückgeht.
Das Seitenschläferkissen in Ganzkörperlänge
Oben eine Kopfseite, unten eine Verlängerung zum Zwischen-die-Knie-klemmen.
Der Vorteil liegt nicht nur im Nacken. Wenn die Knie nicht aufeinanderliegen, reduziert sich der Druck auf Hüfte und Lendenwirbelsäule spürbar.
Wer ausgeprägter Seitenschläfer ist und zusätzlich mit Hüft- oder Rückenproblemen kämpft, findet hier eine ganzheitlichere Lösung.
Materialien und was sie wirklich unterscheidet
Das Material beeinflusst drei Dinge: wie gut das Kissen stützt, wie lange es das tut und wie angenehm das Schlafklima ist.
Der wichtigere Faktor ist aber die Geometrie. Ein gut geformtes Kissen aus mittelmäßigem Material schlägt ein schlecht geformtes aus hochwertigem Latex. Immer.
Memory-Schaum
Memory-Schaum passt sich der Körperwärme an und formt sich nach dem Kopf. Das klingt ideal. Hat aber einen Haken.
Es dauert einige Minuten, bis das Material warm genug ist, um wirklich nachzugeben. Wer sich nachts häufig umdreht, liegt immer wieder kurz auf einem Kissen, das sich noch nicht angepasst hat.
Dazu kommt das sogenannte Ausgasen. Neue Memory-Schaum-Kissen riechen in den ersten Wochen nach Chemikalien. Für Menschen mit Atemwegsempfindlichkeit kann das ein echtes Problem sein.
Das Schlafklima ist außerdem wärmer als bei Naturmaterialien, weil Memory-Schaum Wärme staut.
Naturlatex
Latex federt sofort zurück. Keine Eingewöhnungszeit, keine Anpassungsphase.
Es ist atmungsaktiver als Memory-Schaum und hält seine Form deutlich länger. Langfristig oft die wirtschaftlichere Wahl, auch wenn der Preis zu Beginn höher liegt.
Der einzige Nachteil: Naturlatex ist schwerer. Und Menschen mit Latexallergie müssen es meiden.
Dinkel, Buchweizen und andere Naturfüllungen
Diese Kissen passen sich durch die lose Füllung an und lassen sich in der Höhe reduzieren. Das Knistern der Schalen beim Bewegen stört manche, andere nehmen es gar nicht wahr.
Das zentrale Problem: Die Stützkraft hängt davon ab, wie gut du das Kissen in Form geknüllt hast. Sie ist nicht zuverlässig reproduzierbar.
Für Menschen mit starken Nackenproblemen, die auf gleichmäßige Stützung angewiesen sind, ist das eine echte Schwäche.
Synthetische Fasern und Daunen
Günstig, weich, beliebt. Für Nackenschmerzen aber oft nicht ausreichend.
Synthetische Fasern klumpen mit der Zeit zusammen. Daunen verteilen sich ungleichmäßig. Das Kissen verliert seine Stützkraft, häufig schneller als man es merkt.
Dazu kommt ein schlechteres Schlafklima. Schweiß wird nicht gut abgeleitet, Wärme staut sich.
Wer nachts schwitzt und sich deshalb häufig umdreht, aktiviert dabei mehr Muskulatur als nötig. Das begünstigt Verspannungen.
Die richtige Kissenhöhe für deine Schlafposition
Das ist der praktische Kern dieses Ratgebers. Konkrete Maßangaben findest du in den wenigsten Artikeln zu diesem Thema, dabei sind sie am Ende das, was wirklich zählt.
Rückenschläfer
Du brauchst weniger Kissen als du wahrscheinlich denkst.
In Rückenlage liegt die Schulter flach auf der Matratze. Der Abstand zum Kopf ist gering.
Ein zu hohes Kissen drückt den Kopf nach vorne, das Kinn nähert sich der Brust, die Halswirbelsäule wird dauerhaft in eine Beugung gezwungen.
Der physiotherapeutische Richtwert liegt bei 7 bis 10 Zentimetern Kissenhöhe. Das fühlt sich für viele erstaunlich flach an, besonders nach Jahren auf einem dicken Federkissen.
Der Nacken soll leicht gestützt sein. Nicht angehoben.
Seitenschläfer
Du brauchst das höchste Kissen. Der Abstand zwischen Schulteroberkante und Kopf muss überbrückt werden.
Dieser Abstand entspricht grob der halben Schulterbreite. Bei schmaleren Schultern reichen 10 bis 12 Zentimeter. Bei breiten Schultern kann der Bedarf auf 14 bis 16 Zentimeter steigen.
Eine wichtige Regel dabei: Die Schulter liegt auf der Matratze, nicht unter dem Kissen. Das Kissen beginnt dort, wo die Schulter aufhört.
Wenn das Kissen zu weit nach unten reicht, schläfst du faktisch auf einer erhöhten Schulter. Das erzeugt den gegenteiligen Effekt.
Das Ziel ist eine gerade Linie von der Brustwirbelsäule über den Hals bis zum Kopf. Kippt der Kopf zur Seite, ist das Kissen zu niedrig. Ist er nach oben geneigt, ist es zu hoch.
Bauchschläfer
Ehrlich gesagt ist die Bauchlage die ungünstigste Schlafposition für den Nacken. Der Kopf liegt dauerhaft gedreht. Nichts daran ist anatomisch ideal.
Wenn du das jahrelang so machst und keine Beschwerden hast: Glückwunsch. Du bist gut angepasst.
Wenn du aber Schmerzen hast, ist der Wechsel zur Rücken- oder Seitenlage die nachhaltigste Lösung.
Wer es nicht lassen kann: So flach und weich wie möglich schlafen. Im Idealfall gar kein Kissen unter den Kopf, dafür ein flaches unter den Bauch, um die Lendenwirbelsäule zu entlasten.
Das klingt ungewohnt. Reduziert den Verdrehwinkel im Nacken aber merklich.
Wechselschläfer
Die meisten Menschen drehen sich nachts mehrfach um, ohne es zu merken.
Wenn du das tust, sind starre Nackenstützkissen mit eingebauter Kontur für dich ungeeignet. Du brauchst ein gleichmäßig hohes, anpassungsfähiges Kissen, das in mehreren Positionen funktioniert.
Eine mittlere Höhe von 10 bis 12 Zentimetern aus formstabilem Schaum oder Latex ist für die meisten Wechselschläfer ein guter Startpunkt.
Wann solltest du dein Kissen wechseln?
Viele Quellen schreiben „alle fünf Jahre“. Das ist für manche Kissen richtig, für andere viel zu lang.
Die Realität hängt vom Material ab.
Synthetische Faserkissen verlieren ihre Stützkraft oft schon nach einem bis zwei Jahren. Schaumkissen halten zwei bis drei Jahre. Naturlatex kommt auf drei bis fünf Jahre.
Dinkelfüllungen brauchen spätestens nach zwei bis drei Jahren neue Schalen, weil die alten mürbe werden und die Füllung feinkörniger wird.
Konkrete Anzeichen, dass dein Kissen ausgedient hat:
- Sichtbare Dellen oder Abflachungen, die sich nach dem Aufschütteln nicht mehr erholen.
- Faserkissen-Test: In der Mitte falten und loslassen. Bleibt es gefaltet, ist die Füllung erschöpft.
- Du knüllst das Kissen nachts ständig zurecht, weil es keine Form hält.
- Es riecht auch nach dem Waschen noch muffig.
- Du weißt nicht mehr, wann du es gekauft hast.
Eingewöhnung nach dem Kisselwechsel
Ein Punkt, den fast kein Ratgeber erwähnt, obwohl er für viele Menschen relevant ist.
Ein neues Kissen kann in den ersten Tagen unangenehm sein. Das bedeutet nicht zwingend, dass es falsch ist.
Wenn du jahrelang auf einem zu hohen Kissen geschlafen hast, hat sich deine Nackenmuskulatur an diese Position angepasst. Die Muskeln sind verkürzt. Die Faszien haben sich in diesem Muster organisiert.
Wenn du plötzlich auf einem flacheren, korrekteren Kissen schläfst, müssen sich diese Strukturen neu einstellen.
Das dauert. Oft zwei bis vier Wochen. In dieser Zeit kannst du sogar etwas mehr Beschwerden haben als vorher.
Gib einem neuen Kissen also mindestens drei Wochen, bevor du entscheidest, dass es nicht passt.
Wenn die Beschwerden nach vier Wochen immer noch schlimmer werden, dann passt das Kissen wirklich nicht.
Wann reicht ein neues Kissen nicht aus?
Es gibt Symptome, bei denen du aufhören solltest, an Kissen und Matratzen herumzuoptimieren.
Nackenschmerzen weisen in seltenen Fällen auf ernsthaftere Ursachen hin. Diese Grenze ist wichtig zu kennen.
Lass folgende Symptome ärztlich abklären, bevor du weiter an deiner Schlafausstattung arbeitest:
- Schmerzen, die in Arm, Hand oder Finger ausstrahlen, besonders wenn sie mit Taubheit oder Kribbeln verbunden sind.
- Schwindel beim Drehen des Kopfes.
- Tinnitus in Kombination mit Nackenschmerzen.
- Starke morgendliche Steifigkeit, die länger als 30 Minuten anhält und über Wochen nicht besser wird.
- Nackenschmerzen nach einem Unfall oder Sturz.
- Nackenschmerzen begleitet von Fieber, unerklärlichem Gewichtsverlust oder starker Erschöpfung.
Diese Symptome können auf ein HWS-Syndrom, einen Bandscheibenvorfall oder Arthrose der Facettengelenke hinweisen. In seltenen Fällen auch auf andere Erkrankungen.
Ein neues Kissen hilft dabei nicht. Eine ärztliche Diagnose schon.
Kein Kissen macht die Folgen von acht Stunden Bildschirmarbeit mit vorgeschobenem Kopf rückgängig.
Der wichtigste Schritt: Bildschirm auf Augenhöhe bringen. Wer auf einen zu tief stehenden Monitor schaut, neigt den Kopf nach vorne.
Bei einer Vorneigung von nur 15 Grad wirkt auf die Halswirbelsäule etwa das Dreifache des normalen Kopfgewichts. Das summiert sich täglich.
Kurze Bewegungspausen alle 45 bis 60 Minuten helfen, die statische Anspannung zu unterbrechen. Es müssen keine Übungen sein. Schulterblätter zusammenziehen, Kopf drehen, Arme kreisen. Zwei Minuten reichen.
Wärme vor dem Schlafen entspannt die Muskulatur. Eine warme Dusche oder ein Wärmekissen für zehn Minuten im Nackenbereich ist einfach, kostet nichts und funktioniert zuverlässig.
Chronischer Stress verdient auch eine ehrliche Erwähnung. Anhaltende Anspannung führt zu dauerhaft erhöhtem Muskeltonus, auch nachts.
Wer morgens regelmäßig verspannt aufwacht und unter starkem Stress steht, sollte dort ansetzen. Nicht nur am Kissen.
Häufige Fragen
Wie merke ich, ob mein Kissen zu hoch ist?
Das deutlichste Zeichen: Verspannungen im vorderen Bereich des Nackens am Morgen, oder das Kinn wird beim Liegen Richtung Brust gezogen.
In Rückenlage kannst du es selbst prüfen: Schultern locker auf der Matratze, Blick nach oben. Wenn das Kinn deutlich tiefer ist als die Stirn, liegt der Kopf zu hoch.
In Seitenlage hilft das Foto von hinten: Ist die Wirbelsäule gerade oder knickt sie zur Seite?
Wie oft sollte ich mein Kopfkissen wechseln?
Das hängt vom Material ab. Synthetische Faserkissen nach ein bis zwei Jahren, Schaumkissen nach zwei bis drei Jahren, Naturlatex nach drei bis fünf Jahren.
Der einfachste Test für Faserkissen: in der Mitte falten und loslassen. Springt es nicht zurück, ist die Füllung erschöpft.
Kann ein Kissen Nackenschmerzen verursachen, auch wenn es sich gut anfühlt?
Ja. Das ist einer der häufigsten Irrtümer.
Das Kissen fühlt sich nicht gut an, weil es deinen Nacken korrekt positioniert. Es fühlt sich gut an, weil es sich der Position anpasst, an die du gewöhnt bist.
Wenn das eine Fehlstellung ist, schmeichelt das Kissen dieser Fehlstellung, anstatt sie zu korrigieren.
Welches Kissen ist das beste bei Nackenschmerzen?
Es gibt kein universell bestes Kissen.
Entscheidend sind deine Schlafposition, deine Schulterbreite, der Typ deiner Matratze und die individuelle Krümmung deiner Halswirbelsäule.
Als guter Ausgangspunkt für die meisten Menschen eignet sich ein formstabiles, höhenverstellbares Kissen aus Latex oder Schaum mit 10 bis 12 Zentimetern Höhe. Als Seitenschläfer mit breiten Schultern eher 13 bis 15 Zentimeter.
Soll die Schulter unter das Kissen oder nicht?
Nicht. Die Schulter liegt auf der Matratze. Das Kissen füllt nur den Raum zwischen Schulteroberkante und Kopf aus.
Wenn die Schulter unter dem Kissen liegt, blockierst du den Einsinkmechanismus der Matratze und erhöhst den Druck auf den Schultergürtel.
Wie lange muss ich ein neues Kissen testen, bevor ich weiß, ob es passt?
Mindestens drei Wochen.
Der Körper braucht Zeit, sich an eine neue Position zu gewöhnen, besonders wenn das alte Kissen eine Fehlstellung über lange Zeit gefestigt hat.
Wenn du nach drei bis vier Wochen noch deutliche Beschwerden hast, passt das Kissen wahrscheinlich nicht.
Fazit
Das Kissen ist wichtig. Aber es ist kein Wundermittel.
Wenn es falsch ist, verschlimmert es bestehende Probleme oder erzeugt neue. Wenn es passt, gibt es deiner Nackenmuskulatur die Chance, sich nachts wirklich zu erholen.
Das ist nicht nichts. Aber es ist auch nicht alles.
Fang mit dem Selbsttest an. Schau, ob dein Kissen noch Stützkraft hat. Prüfe, ob Matratze und Kissen zusammenpassen.
Und wenn du nach einem ehrlichen Versuch immer noch morgens verspannt aufwachst, lohnt sich ein Blick auf das, was tagsüber passiert.
Der Nacken ist meistens ehrlicher als wir ihm gegenüber sind.
Was du jetzt konkret tun kannst:
- Mach den Selbsttest: Foto von hinten in deiner Schlafposition. Ist die Wirbelsäule gerade?
- Prüfe, wie alt dein Kissen ist und ob es noch Stützkraft hat (Falttest bei Faserkissen).
- Schau, ob die Matratze mitspielt: Sinkt deine Schulter zu weit ein oder kaum?
- Gib einem neuen Kissen mindestens drei Wochen Eingewöhnungszeit.
- Wenn Beschwerden in den Arm oder Finger ausstrahlen oder von Schwindel begleitet werden: erst zum Arzt, dann zum Kissenkauf.


